• Anke Kramer

Gesunde Abgrenzung - die Angst davor und wie sie dir trotzdem gelingt

Die Angst, dass aus Abgrenzung Ausgrenzung werden könnte

Bei meiner Arbeit als Coach begegnet sie mir regelmäßig. Und auch in meinem persönlichen Umfeld kann ich sie häufig beobachten. Sie scheint allgegenwärtig und fast eine Art Volkskrankheit geworden zu sein. Wann immer ich mit Menschen über das Thema 'Abgrenzung' spreche, lassen sich spannende Parallelen erkennen. Zum einen zeigt sich ein hohes Bewusstsein für die Relevanz einer gesunden Abgrenzung und zum anderen wird deutlich, wie schwer es fällt, im Alltag für sich selbst einzustehen. 


Sich für das einzusetzen, was einem persönlich wichtig ist, stößt häufig auf die Angst, von Anderen negativ bewertet oder sogar abgelehnt und ausgegrenzt zu werden. Woher das kommt und was wir dagegen tun können - darauf gehe ich in diesem Artikel später noch ein.


Was bedeutet Abgrenzung eigentlich?

Abgrenzung ist mehr, als nur "Nein" zu sagen.


In einer Online Umfrage habe ich Menschen aus meinem Netzwerk gebeten, ihre Gedanken zum Thema "Abgrenzung" mit mir zu teilen. Auch hierbei wurde schnell klar, wie komplex dieses Thema ist und welche inneren Konflikte damit einhergehen können.


Hier ein paar der Gedanken, die die Menschen zum Thema 'Abgrenzung' geteilt haben:


  • Abgrenzung ist lebensnotwendig

  • ohne Abgrenzung keine Selbstwirksamkeit 

  • Abgrenzung hilft dabei, sich vital und gesund zu halten

  • Sie bedeutet Verbundenheit mit sich selbst 

  • Abgrenzung bedeutet "nein" sagen zu können

  • Sie ist die Fokussierung auf das Wesentliche 

  • Abgrenzung bedeutet ein JA zu mir selbst


Mit allen Rückmeldungen wird klar, wie wichtig es ist, sich abzugrenzen und welche Herausforderungen genau diese Art der Selbstfürsorge darstellen kann.


Abgrenzung bedeutet, Stellung zu beziehen. Sich zu positionieren und für die eigenen Werte und Bedürfnisse einzustehen. Genau das fällt uns leicht, wenn wir Klarheit darüber gewinnen, wer wir sind und was uns ausmacht. Abgrenzung im Außen braucht daher zunächst die Klarheit im Innen. 


Bewusstsein und das Gefühl von Selbst:Sicherheit sind der erste Schritt auf dem Weg zu einer gesunden Abgrenzung. 


Wie es dir gelingt, dich besser abzugrenzen

Der Gedanke daran, sich von der Meinung oder den Erwartungen Anderer abzugrenzen, triggert einen ureigenen, inneren Konflikt. Dabei geht es um den Konflikt zwischen Nähe und Distanz - zwischen dem Bedürfnis nach Verbundenheit und dem Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit. Ein innerer Konflikt, der schon in unserem Ursprungs-Selbst verankert ist. 


Aber Stop: Heißt das, wir sind diesem Konflikt hilflos ausgeliefert? Nein. Es heißt lediglich, dass es ein Konflikt ist, der 'normal' ist und uns allen im Laufe des Lebens begegnet. Ein Konflikt, für dessen Lösung es einen Blick in unser Inneres braucht, weil eine Klärung im Außen unmöglich ist.


Wenn es dir also schwerfällt dich abzugrenzen, wirf ein Blick auf deine eigenen Denk- und Handlungsmotive. Frag dich, was genau dir daran schwerfällt, für deine Werte und Bedürfnisse einzustehen!?


Ist es die Sorge, dich so zu zeigen, wie du wirklich bist? Hast du Angst davor, von Menschen, die dir wichtig sind, abgelehnt zu werden? Glaubst du, dass Menschen, die dir nahestehen, dich weniger schätzen werden, wenn du gut für dich selbst sorgst? - Wenn die Antwort auf eine dieser Fragen "ja" lautet, lohnt es sich, deine eigenen Überzeugungen zu reflektieren.


Würde das, was du denkst, einem Realitäts-Check standhalten? Würden deine Familie, dein Partner, deine Freundin, dich aus ihrem Leben ausschließen, wenn sie merken, dass du dir selbst wichtig bist? Oder könnte es vielleicht sein, dass die Menschen, die dich lieben, dich gerne glücklich und zufrieden sehen!?


Hast du dich schon einmal gefragt, wieso es dir leichter fällt, anderen gerecht zu werden, als dir selbst? 


Ja, diese Fragen gehen tief und vielleicht triggern sie dich und du verspürst einen inneren Widerstand. ABER, wenn du lernen möchtest, dich besser abzugrenzen, braucht es die Bereitschaft, dich mit deinem Selbstbild und deiner Idee davon, wie Bindungen 'funktionieren', auseinanderzusetzen. 


Ob sich diese Art der 'inneren Arbeit' für dich lohnt, kannst du dir nur selbst beantworten. Zum Beispiel mit der Frage:


Was wäre alles möglich, wenn es dir gelingt, dich gesund abzugrenzen und für deine Werte und Bedürfnisse einzustehen? - in deiner Familie, deinem Job, deiner Partnerschaft


4 Tipps für deinen Weg zu einer gesunden Abgrenzung 


  • Finde heraus, wer du bist, was dir wichtig ist und wofür du stehst.

  • Spreche mit Menschen, die diesen Konflikt für sich lösen konnten und denen es leicht fällt, für sich selbst einzustehen.

  • Such dir bewusst ein Übungsfeld, auf dem du dich ausprobieren kannst. Wähle hierfür zunächst Momente und Situationen, die es dir "leichter" machen.

  • Bleib offen für die Meinung anderer, ohne dich davon abhängig zu machen. Ganz nach dem Motto: Grenzen setzen, ohne Mauern zu errichten.


Eine unsichere Frau, die daran zweifelt, für sich selbst einzustehen.
Gesunde Abgrenzung

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